9. Consult

Ein Consult ist ein Verfahren, um in begrenzter Zeit gemeinsinnig und geistlich gegründet Entscheidungen zu treffen. Es kombiniert die sorgsame Auftragsklärung mit einer einfachen Anwendung der Unterscheidung der Geister in Gemeinschaft. Ein Consult nützt, damit alle Mitglieder eines Gremiums gemeinsam eine Entscheidung erarbeiten, ohne dass dadurch die organisatorischen oder hierarchischen Zuständigkeiten verwischt werden. Erfahrungsgemäß sehen sich alle Beteiligten anschließend an das Ergebnis gebunden und engagieren sich für seine Umsetzung.

Das Verfahren wird idealerweise bei einem Klausurtag kennen gelernt und kann dann in normalen Gremiensitzungen (zwei Stunden) durchgeführt werden. Eine ausführlichere Beschreibung findet sich auf www.geistlich.net unter dem Titel: Beratung durch geistliche Unterscheidung.

Schritt I: Vorklärungen

Ein Consult geht von der Situation aus, dass in dem Gremium eine Person die Hauptverantwortung für ein Thema hat. Manchmal ist es schon der erste Klärungsschritt, herauszufinden, wer für das Thema steht und in wessen Verantwortung die künftige Arbeit liegt. Das Verfahren kann nicht durchgeführt werden, wenn die hauptverantwortliche Person nicht präsent ist.

Eine weitere Vorklärung betrifft den Status der Entscheidung: Trifft das Gremium die Entscheidung? Der oder die Hauptverantwortliche? Liegt das ganze Thema in der Entscheidungshoheit derer, die vor Ort sind, oder müssen Elemente abgeteilt werden, da die Verantwortung an anderen Stellen angesiedelt ist?

Schritt II: Auftragsklärung und alternative Handlungsoptionen

Zunächst wird in gemeinsamer Anstrengung die Frage präzisiert, über die die hauptverantwortliche Person beraten werden möchte beziehungsweise die sie zur Entscheidung stellt.

Dann werden dem Gremium alle nötigen Sachinformationen zur Verfügung gestellt, die es braucht, um eine verantwortete Entscheidung treffen zu können.

Abschließend formuliert die hauptverantwortliche Person – mit Hilfe des Gremiums – mindestens drei wahrscheinlich realisierbare Alternativen, wie das Thema nach der Beratung umgesetzt werden kann. Die weitere Beratung bezieht sich dann auf diese Alternativen.

Schritt III: Hören auf die Heilige Schrift

Nun wird dem Hören auf das Wort Gottes Raum im Beratungsgeschehen gegeben. Je nach Situation kann aus den oben beschriebenen Verfahren ausgewählt werden.

Schritt IV: Betend-nachsinnende Beratung

Es folgen zwei Durchgänge einer betend-nachsinnenden Stille und eines Anhörkreises. Für die Stille sollten wenigstens zehn Minuten, je nach Komplexität der Fragestellung auch mehr, angesetzt werden. Die hauptverantwortliche Person darf sich an dieser Phase nicht verbal beteiligen. Sie hört zu.

Die beiden stillen Zeiten dienen dazu, der Frage nachzugehen, welche der potentiell guten und realisierbaren Alternativen eher mehr dem Kriterium eines Mehr an Leben, Freiheit und Mündigkeit, eines Mehr an Glaube, Hoffnung und Liebe für alle Beteiligten und Betroffenen entspricht, und deshalb mit einiger Wahrscheinlichkeit eher in der Linie des Wirkens des Heiligen Geistes liegen könnte.

Für die zweite Zeit stillen betenden Nachsinnens werden zusätzlich diese Frage mitgegeben: „Wenn ich jetzt die anderen gehört habe, scheint mir…“, „Das Gute für alle in unserer Frage, könnte eher in dieser Richtung erreicht werden…“, „Ganz gleich, wie wir uns entscheiden, sollten wir unbedingt beachten…“.

Beim ersten Anhörkreis gehen die Einschätzungen häufig noch weit auseinander. In der Regel tritt im zweiten Anhörkreis eine Einschätzung der Alternativen deutlich in den Vordergrund und wird von nahezu allen präferiert.

Schritt V: Entscheiden

Nun kommt der/die Verantwortliche zu Wort, formuliert das Beratungsergebnis noch einmal in eigenen Worten und verhält sich dazu. Auf diese Weise stellt er/sie die Entscheidung fest und  setzt sie dann auch in Kraft.

Das Verfahren kann auch in digitalen Konferenzen durchgeführt werden. In der Regel wird man dafür die Vorklärungen und die Auftragsklärung in einem ersten Treffen besprechen, das Hören auf die Heilige Schrift, die betend-nachsinnende Beratung und die Entscheidung aber in einer zweiten digitalen Konferenz angehen. Der erste Teil kann gut auch als Telefonkonferenz durchgeführt werden. Für den zweiten Teil eignet sich eine Videokonferenz mehr. Zwischen den beiden Treffen sollten alle Teilnehmenden schriftlich die Vorklärungen, die präzise Fragestellung und die erarbeiteten Alternativen zugeschickt bekommen.