8. „Grundlagenarbeit“ mittels ignatianischer Schriftbetrachtung

Die Arbeit des Gremiums wird hier für eine Phase betend weitergeführt. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn die Arbeit gerade – entweder grundsätzlich oder in einer bestimmten Fragestellung – ein tieferes „Fundament“ brauchen kann. Die Vorgehensweise ist von der Methode der „Geistlichen Übungen für Gruppen, Gremien und Teams“ inspiriert.

Beispielsweise kann es sein, dass ein Pastoralteam an einer Fusionierung arbeitet. Dann kann es hilfreich sein, dass die Mitarbeiter·innen an Ort A und Ort B noch einmal wertschätzend die Situation vor Ort im Gebet betrachten und sich dann darüber austauschen, bevor die Arbeit an der Fusionierung aufgenommen wird.
Ein anderes Beispiel wäre, dass die Personen in einem Gremium einander in ihrem Glaubensleben besser verstehen möchten und deshalb den geistlichen Austausch über ihre spirituellen Wurzeln suchen. Hier kann sehr gut auch ein entsprechender Bibeltext meditiert werden.

Je nach Situation und Zielsetzung wird bei dieser Vorgehensweise mehr die Wirklichkeit (vgl. Nr. 7) als Offenbarung Gottes oder mehr die Heilige Schrift oder auch beides gleichermaßen betrachtet.. Wichtig ist bei dieser Methode, dass sie gegenüber dem operativen Geschäft eher eine betende Grundlagenarbeit ermöglicht. Für die alltäglichen Aufgaben ist das Format zu lang; geeignete Räume dafür wären Besinnungs- oder Teamtage, oder auch nur ein Nachmittag, der gezielt geplant wird, um eine solche Vertiefung zu suchen.

Die Methode verläuft in einem Dreischritt:

1. 45-60 Minuten stilles Gebet/Betrachtung aller Beteiligten
2.

60 Minuten Austausch in der Kleingruppe mit folgender Struktur:

1. Anhörkreis;
2. Stille;
3. wertschätzende Resonanz auf bisher Gesagtes;
4. Gebet.

3. 30-60  Minuten Zeit im Plenum - beginnend mit einem Anhörkreis. Dann liegt der Fokus des Anhörkreises mehr auf der Bedeutung für die Aufgaben der Gruppe.
Das Plenum ist nur erforderlich, wenn die Gruppe aus mehr als 7 Personen besteht (sonst gilt: Kleingruppe = Großgruppe und ein Schritt entfällt).

Je nachdem benötigt man 2-3 Stunden. Die persönliche Gebetszeit sollte mittels eines am Exerzitienbuch des Ignatius orientierten Gebetsblattes (Biblischer Text, Schauplatz, Bitte um Gnade, Punkte, Kolloquium) angeleitet werden; geschieht dies, ist das Format auch für Personen möglich, die keine größere Erfahrung im ignatianischen Beten haben. Eine externe Begleitung mit Erfahrung in der ignatianischen Spiritualität ist hier sinnvoll.

Eine digitale Durchführung per Video- oder Telefonkonferenz ist grundsätzlich möglich. Dann wird das Gebetsblatt zuvor allen zugeschickt und ein gemeinsamer Beginn für die persönliche Gebetszeit festgelegt. Die digitale Konferenz trifft sich erst zur Kleingruppenphase. Dafür gelten die gleichen Regeln wie oben schon für Anhörkreise anderer Verfahren erläutert. In einem weiteren Schritt kann die Gesamtgruppe digital zusammenkommen.

Exkurs:

Diese Vorgehensweise kann auch für längere geistliche Entwicklungs- und Reifungswege in einer Gruppe eingesetzt werden. Dazu wurde das Format der „Geistlichen Übungen für Gruppen, Gremien und Teams“  (frz.: ESDAC -Exercises Spirituelles pour un Discernement Apostolique en Commun) entwickelt. Es handelt sich, in einem Satz gesagt, um eine Adaption der Ignatianischen Exerzitien auf gemeinschaftliche geistliche Prozesse. Die Anleitung dieser Methode erfordert eine spezifische Ausbildung. Informationen können über Peter Hundertmark abgerufen werden.

Eine digitale Durchführung sollte hier nicht angestrebt werden, weil die zu begleitenden Prozesse sehr umfassend sind, und die Begleitpersonen die Gruppe möglichst intensiv wahrnehmen können sollten.