7. Ignatianische Schriftbetrachtung

Am Beginn einer Sitzung kann auch eine gemeinsame Ignatianische Schriftbetrachtung stehen. Die Teilnehmenden brauchen dazu keine Vorkenntnisse. Die anleitende Person sollte selbst mit dieser Gebetsform Erfahrung haben.

Wiederum ist darauf zu achten, dass weder die Auswahl des Textes noch die Art und Weise der Anleitung in irgendeiner Weise Einfluss auf die folgende Arbeit des Gremiums nimmt. Beides muss dem Vorbereitungsgebet in der ignatianischen Betrachtung entsprechen, sich auf Gott auszurichten, nichts sonst.

Hat die Gruppe wenig oder keine Erfahrung mit dieser Betrachtungsweise, ist eine ausführlichere Anleitung unverzichtbar; ist dagegen bereits viel Erfahrung vorhanden, sollte sie auf ein Minimum beschränkt werden, weil die Anleitung immer nur unterstützt, während das eigentliche Geschehen sich zwischen dem Schöpfer und seinen Geschöpfen vollzieht.

Am Ende der gemeinsamen Betrachtung kann eine kurze Runde darüber stehen, in der es nicht direkt um die Erfahrung in der Betrachtung geht (es sei denn, jemand möchte dazu etwas sagen), sondern darum: Wie ist es mir ergangen? Wie bin ich jetzt da? Die Verbindung zwischen betendem Betrachten und der Arbeit ist nur indirekt. Man kann sich das so vorstellen, dass jeder im Gremium gleichsam aus dem Raum des Gebets in den Raum der Arbeit tritt, aber ohne jede Verzweckung doch eine Wirkung auf das Arbeiten gegeben sein wird.

Eine angeleitete ignatianische Bibelbetrachtung kann sehr leicht auch in einer Videokonferenz gehalten werden. Außer der anleitenden Person sollten sich alle stumm schalten, damit es wirklich still ist. Außerdem ist darauf hinzuweisen, dass jede·r bei sich sein und nicht die anderen am Bildschirm betrachten sollte. Wenn jemand sich gestört fühlt, weil andere ihn sehen, ist auch möglich, die Videofunktion auszuschalten; für die anleitende Person ist aber hilfreich, die Gruppe sehen zu können.

Die Anleitung selbst geht wie sonst auch. Das Format ist sogar sehr gut geeignet für eine Videokonferenz, weil es technisch besonders einfach ist, wenn nur einer spricht. Es entsteht auch eine erstaunlich dichte Atmosphäre, die sich davon unterscheidet, wenn man allein meditiert, obwohl es ja „nur“ eine virtuelle Zusammenkunft ist.

Bei einer Telefonkonferenz ist eher schwierig, dass nur einer spricht und die Gegenwart der anderen praktisch nicht mehr wahrzunehmen ist. Deshalb dürfte das Format dafür nicht so gut geeignet sein.