5. Lectio Divina

Während die Tradition die Lectio Divina als Meditationsform auf dem individuellen geistlichen Weg kennt, gibt es neuerdings gute Vorlagen des Katholischen Bibelwerks, wie die Lectio Divina auch in Gemeinschaft vollzogen werden kann. Ähnlich wie beim Bibelteilen steht die gemeinschaftliche Begegnung mit dem Wort Gottes auch bei dieser Form im Mittelpunkt. Ein wichtiger Unterschied gegenüber den Bibelteilen ist allerdings, dass der erste Schritt in einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Bibeltext selbst besteht, nicht nur im meditativen Wiederholen einzelner Worte. Das „Echolesen“ wird hier in der vorbereitenden Phase der Sammlung praktiziert.  Der eigentliche erste Schritt (Lectio/Lesung) besteht in der intensiven Auseinandersetzung mit dem Text: „Was sagt der Text?“ Die persönliche Besinnung erfolgt erst im zweiten Schritt (Meditatio/ Meditation): „Was sagt der Text mir?“ Es folgt als dritter Schritt eine Phase des Betens: „Was lässt der Text mich sagen?“ Der vierte Schritt (Betrachtung/Contemplatio) besteht dann wieder in einem Loslassen der eigenen Erkenntnisse, Bewegungen und selbst Gebete in Gott hinein, der in Stille erfolgt. Das Bibelwerk stellt Anleitungen zum Ablauf, Gebete und sogar ein Neues Testament  (das AT erscheint 2020) mit Leseschlüsseln für die „Lesung“ und „Meditation“ zur Verfügung.

Die Methode eignet sich nicht so gut für eine Telefonkonferenz. Hier ist eher Bibelteilen zu empfehlen, da es bei der Lectio Divina mehrere Phasen der Stille gibt. In einer Videokonferenz lässt sich die Methode gut anwenden. Die Phase der Sammlung mit einem vorbereitenden Gebet, dem lauten Lesen des Textes, einem Moment der Stille und dem Echolesen kann leicht durchgeführt werden.

Die Phase der Lectio sollte den Teilnehmenden angemessen Zeit lassen, den Text noch einmal für sich wahrzunehmen und eventuell anzustreichen, was ihnen auffällt. In einer Videokonferenz kann dies mit ein paar Minuten Stummschalten verbunden sein. Dann folgt der Austausch darüber. Auch der nächste Schritt der Meditatio und der persönliche Austausch darüber kann so durchgeführt werden. Vor der Phase der Oratio kann der Bibeltext nochmals laut gelesen werden. Dann formuliern die Teilnehmenden dazu still oder hörbar ihre Gebete. Die Phase der Contemplatio kann in einer Videokonferenz ebenfalls durch stilles Beisammenseins mit ausgeschaltetem Ton gehalten werden.

Alternativ – und durchaus reizvoll für eine Konferenz – kann man sich hier darüber austauschen, welchen Vers jede·r Einzelne in den Alltag, in diesem Fall in die Konferenz, mitnimmt. Ein abschließendes Gebet lässt sich ebenfalls gut halten, während von einem Lied angesichts der Toninterferenzen eher abzuraten ist.