1. Innehalten

Dieses Verfahren ist sehr einfach und kann ohne Vorbereitung in jedem Gremium eingesetzt werden.

Vereinbart wird, dass ganz formal nach einer bestimmten Anzahl von Redebeiträgen – drei bis fünf – ein Innehalten eingeschoben wird. Dabei handelt es sich um eine Stille, die etwa so lange dauert, wie ein durchschnittlicher Redebeitrag, aber nicht kürzer als zwei Minuten.

Bei Telefonkonferenzen sind gemeinsame Zeiten der Stille schwieriger. Eine Minute muss jetzt meistens genügen. Ein akustisches Signal, das Anfang und Ende markiert, macht es vielen Menschen leichter, das Innehalten als Ritual zu erlernen. Bei Videokonferenzen kann das Innehalten in gleicher Weise wie bei physischen Treffen durchgeführt werden.  Man kann vereinbaren, sich für eine bestimmte Anzahl von Minuten stumm zu schalten und dann wieder ins Gespräch zurückzukehren.

Das Innehalten dient dem Nachdenken und der Verarbeitung. Es entlastet davon, beim Zuhören schon den eigenen Beitrag entwickeln zu müssen und intensiviert so das Hören und das Sprechen.

Die Erfahrung zeigt, dass durch dieses ritualisierte Innehalten Sitzungen eher rascher vorangehen als sonst. Es wird also entgegen der naheliegenden Vermutung des Mehraufwands nicht mehr Zeit benötigt.

Ein Gremium, das schon einige Erfahrung mit dem Innehalten gemacht hat, kann auch gebeten werden, die Zeit des Innehaltens zu nutzen, um Gott zu „fragen“ – die Zeit also für ein „betendes Denken“ zu nutzen. Was in der Stille geschieht, wird nicht ausgesprochen. Auf diese Weise ist es vielen möglich, sich auf dieses betende Nachdenken einzulassen. Die Atmosphäre der Beratung verändert sich aber merklich, wenn sich viele aus dem Gremium darauf einlassen.